Wie aus einer Rezitationsaufgabe in Deutsch ein Musikprojekt wird

Wie könnte es sich anhören, wenn man „Fausts Vision“ modern umsetzen würde, ohne dass der Text verändert werden darf? Diese Frage beantwortet Nikolai Fenderl von der Rudolf-Steiner-Schule Coburg mit einem Rapsong.

Nikolai Fenderl im Musikvideo zu „Fausts Vision“

Hintergrund dieses Musikprojekts war eine Rezitationsaufgabe im Fach Deutsch, bei dem der Zwölftklässler von seiner Deutschlehrerin Frau Dr. Evelyne v. Beyme die Aufgabe erhielt, Fausts Monolog im fünften Akt von Johann Wolfgang v. Goethes „Faust II“ aufzusagen. Es dauerte nicht lange, bis Nikolai sich meldete und fragte: „Dürfen wir die Aufgabe auch künstlerisch umsetzen?“ „Ja“, antwortete daraufhin die Lehrerin, „aber der Text muss bei der Rezitation wortgetreu wiedergegeben werden.“

Daran hielt sich auch Nikolai in seiner Vorbereitung. „Die Musik spielt in meinem Leben eine große Rolle. Um einen individuellen Zugang zu dem fast zweihundert Jahre alten Dramentext zu finden, habe ich ihn für mich mit einer Melodie unterlegt. So entstand daraus nach und nach ein Rapsong“, sagt Nikolai. Als der Schüler an der Reihe mit seiner Rezitation war, staunten Lehrerin und Mitschüler nicht schlecht. Doch damit nicht genug, entwickelte Nikolai gemeinsam mit seinen Klassenkameraden Niklas Löchte und Lennart Remy dazu kurzerhand noch ein Musikvideo.

Im Unterschied zu Gustav Mahlers Vertonung von „Faust“ aus dem Jahre 1910 hat dieses Projekt durchaus Chancen, auch bei Jugendlichen Gehör zu finden. Dabei ist das nicht das erste Musik- und Filmprojekt, das Nikolai mit Niklas und Lennart in diesem Schuljahr umsetzte. Bereits mehrere eigene Rapsongs sind innerhalb eines Jahres entstanden sowie ein Kurzfilm über Mobbing und eine Verfilmung der Szene „Nacht“ aus Goethes „Faust I“.

evb (Text von der Rudolf Steiner Schule Coburg)

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"Und kurioserweise ist es so, dass wir durch die Art, uns zum Kind zu stellen, in uns die Liebe zum Kind entwickeln, dass wir es dahin bringen, es mit immer größerer Liebe zu erfassen. Und wir erwerben uns gerade dadurch eine mächtige Hilfskraft, das Kind liebend zu unterrichten und zu erziehen."

Rudolf Steiner

 

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