Die Freie Waldorfschule Chiemgau macht die Medien zum Jahresmotto

„Endlich ein Smartphone, endlich kann ich mitreden….“ – der aus allen Nähten platzende Saal zeigte, dass Referent und Medientherapeut Uwe Buermann an diesem Abend einen Nerv getroffen hatte. Auch viele Oberstufenschüler waren gekommen. Sein aufrüttelnder Vortrag bildete den Auftakt zum „Medienschuljahr“ an der Priener Waldorfschule: „Digitale Medien: Spiele ich mit ihnen oder spielen sie mit mir?“

Wie erlernt man Medienkompetenz?

Die Freie Waldorfschule Chiemgau hat ein neues Unterrichtskonzept entwickelt. Eine Arbeitsgemeinschaft aus Lehrer/-innen, Schülern, Eltern und der Schulärztin hat 2 Jahre lang an einem Medienkundeplan für alle Jahrgangsstufen gearbeitet. In diesem Schuljahr soll es nun mit ersten Schritten losgehen, um dann immer weiter entwickelt zu werden.

Medienkompetenz gehört inzwischen zu den Schlüsselqualifikationen unserer Zeit.

Die wunderbaren Nutzungsmöglichkeiten, aber auch die Gefahren treffen Kinder mit großer Macht. Regeln allein genügen nicht: Es  geht beim Erlernen von Medienkompetenz um eine Daueraufgabe von Schule und Elternhaus. Es gilt dem einzelnen Kind zu helfen, einen eigenen festen Standpunkt zu finden, damit es mit zunehmender innerer Sicherheit auf die alltäglichen medialen Herausforderungen zugehen kann.

Rund um das Thema „digitale Medien“ finden Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt statt. Anlass für Diskussionen, Begegnungen, Austausch.

„Unser Ziel ist die Entwicklung einer klaren Haltung zum Thema Medien, die innen und außen trägt“, sagt die Schulärztin Sabine Schierl.

Wann ist wofür der richtige Zeitpunkt? Wie kann man die Medien sinnvoll einsetzen und wo bergen sie Gefahren? Mit diesen Fragen hat sich die Arbeitsgruppe beschäftigt und hat einen möglichen Vorgehensplan von der 1. bis zur 12. Klasse ausgearbeitet, der sowohl die menschenkundlichen Aspekte als auch den aktuellen digitalen Medienfortschritt berücksichtigt. Schön ist es, wenn bereits im Kleinkindalter, Kindergarten und in der Grundschulzeit ein Bewusstsein für das Thema geschaffen wird und damit das, was Waldorfpädagogik leisten kann, von Grund auf unterstützt.

Ganzheitliche Erfahrungen durch natürliche Anregung der Sinne bilden die Basis für eine gesunde Erziehung

Im Bereich der Unterstufe geht es daher im Kontakt mit den Eltern vor allem um eine weitere Sensibilisierung für das Thema. Ab der fünften Klasse steht dann die Mediennutzung der Kinder im Vordergrund: Gute Aufklärung, eine bewusste Auseinandersetzung, einen guten Draht zueinander wünscht man sich von Lehrerseite. „Die Eltern müssen ja den Rückhalt bieten in dieser Diskussion“, betont Klassenlehrerin Anna Freiberg. Der Umgang mit dem Handy, IPod, Computer in der Schule, im Schulbus, bei den Hausaufgaben – was, wann, wo und wieviel? Das von der Chiemgauer Waldorfschule erarbeitete Vorgehensmodell in Bezug auf die digitalen Medien möchte keine vorgefertigten Antworten liefern, aber klare Richtlinien bieten.
Mit der IT-Lehrerin Corinna Sümmchen hat die Schule auch eine frisch ausgebildete medienpädagogische Beraterin an ihrer Seite. Sie wird nun regelmäßig Elternabende anbieten und auch mit einzelnen Klassen arbeiten.
Am 15. Januar 2016 ist Dr. Edwin Hübner zu Gast an der Schule, Professor für Medienpädagogik und Autor. Sein Thema: „Faust oder Wikipedia – was brauchen unsere Kinder, um medienkompetent zu werden?“ Siehe Veranstaltungshinweis

Krönender Abschluss des Schuljahres soll ein großer Medienerlebnistag im Sommer werden.

Mehr Infos zur Freien Waldorfschule Chiemgau in Prien.

schuleimwandel

 

"Und kurioserweise ist es so, dass wir durch die Art, uns zum Kind zu stellen, in uns die Liebe zum Kind entwickeln, dass wir es dahin bringen, es mit immer größerer Liebe zu erfassen. Und wir erwerben uns gerade dadurch eine mächtige Hilfskraft, das Kind liebend zu unterrichten und zu erziehen."

Rudolf Steiner

 

Waldorfschule 100 Jahre 2019