Naturwissenschaften an WaldorfschulenErst wahrnehmen dann abstrahieren

»Heute hat es Puff gemacht«, mit diesen Worten kam meine Tochter am vierten Tag der Chemieepoche in der achten Klasse einer Waldorfschule nach Hause. Angeregt erzählte sie in allen Details, welche Säuren der Chemielehrer wie zusammenmixte. Ein lauter Knall und eine hohe Stichflamme beendeten den Versuch. »Wir haben aber etwas geahnt, weil der Lehrer das Sicherheitsglas am Tisch vorher hochgefahren hatte.«

Einen Tag später erzählte sie, dass es wieder »Puff« gemacht habe, diesmal nicht unmittelbar mit dem Mischen der Bestandteile, sondern erst ein paar Sekunden später. (Sie hätten wieder etwas geahnt, da der Lehrer alle Schüler ohne Schutzkleidung vom Experimentiertisch verscheucht habe.)

Diese Sekundenverzögerung des Knalls gab meiner Tochter zu denken. Doch sie fragte nicht nach dem »Warum«. Und wir als Eltern schürzten die Lippen, um nicht mit Erklärungen vorzugreifen. Schließlich sollten die Kinder erst über die neuen Beobachtungen schlafen, hieß es am Elternabend, der zur Einführung der Naturwissenschaften abgehalten wurde. Erst am nächsten Tag werden die Entdeckungen sortiert und systematisiert. So war schnell klar: Der Physik- und Chemieunterricht an Waldorfschulen ist anders.

Das »Warum« steht an zweiter Stelle

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schuleimwandel

 

"Und kurioserweise ist es so, dass wir durch die Art, uns zum Kind zu stellen, in uns die Liebe zum Kind entwickeln, dass wir es dahin bringen, es mit immer größerer Liebe zu erfassen. Und wir erwerben uns gerade dadurch eine mächtige Hilfskraft, das Kind liebend zu unterrichten und zu erziehen."

Rudolf Steiner

 

Waldorfschule 100 Jahre 2019