Hospitation und Diagnostik

Kurz vor 8 in der Waldorfschule München Daglfing: Frau V., selbst Klassenlehrerin und Sonderpädagogin, besucht in ihrer Funktion als Mobiler Sonderpädagogischer Dienst den Hauptunterricht der 3. Klasse, um das Augenmerk auf ein bestimmtes Kind zu lenken. Vorausgegangen ist der Hospitation ein ausführliches Gespräch mit der Klassenlehrerin, in dem diese die Problemstellung und ihre eigenen Beobachtungen dargestellt hat.

Während des Unterrichts kann das Kind in seiner Bewegung, seiner sozialen Interaktion und seiner schulischen Aktivität beobachtet werden. Anschließend gibt es Zeit für ein diagnostisches Einzelgespräch zwischen MSD und Schüler, dem sich unter Umständen auch ein Test zur Wahrnehmungsschulung bzw. -verarbeitung anschließen kann. Auch ein Blick in die Schülerakte bzw. in etwaige Gutachten ergänzt die Diagnostik.

Gemeinsam mit der Klassenlehrerin werden die Beobachtungen zusammengetragen und erste Ideen zur Verbesserung überlegt. Abschließend findet in der Regel noch ein Gespräch mit den an der Schule tätigen Therapeuten und der Schulärztin statt. Wichtige Beobachtungen aus der Schulaufnahme und den schon stattgefundenen Therapien runden das Bild ab und führen auch hier zu ersten Anregungen

Aus all diesen Informationen erstellt der MSD eine schriftliche Zusammenfassung, in der auch die besprochenen Interventionen verschriftlicht sind. Alle am Prozesss Beteiligten erhalten diesen Text mit der Bitte um Ergänzung und Korrektur. Daraus ergeben sich Elterngespräche, Telefonate mit Behörden und Ämtern, Hinweise für häusliche Unterstützung oder Aufforderungen zu weiterführenden Untersuchungen, welche durch den MSD unterstützt werden.

Durch gemeinsame Treffen ist der Waldorf- MSD auch mit dem staatlichen MSD verknüpft und kann bei weiterführenden Fragen auch auf dessen Kompetenz zurückgreifen.

Das Pilotprojekt

Seit Anfang dieses Schuljahres ist das Pilotprojekt „Waldorf-MSD“- Mobiler Sonderpädagogischer Dienst an Waldorfschulen“ fest an den beiden Münchner Waldorfschulen Daglfing und Gröbenzell etabliert. Jeweils 14-tägig, wenn nötig auch öfter, ist der MSD in oben dargestellter Weise für einen Tag an der Schule.

Angesiedelt ist der MSD unter dem Dach des Südbayrischen Seminars für Erwachsenenbildung und Waldorfpädagogik, welches die verwaltungstechnische Seite übernommen hat.

Die ersten Rückmeldungen sind erfolgversprechend

Die Kollegen erleben den Blick von außen als bereichernd, durch die gemeinsame waldorfpädagogische Grundlage aber auch als vertraut. Die Begleitung in den Elterngesprächen eröffnet die Möglichkeit eines erweiterten Blicks auf das Kind und auf neue, andere Unterstützungsmöglchkeiten.

Es ist zu wünschen, dass sich auch andere Münchner Waldorfschulen diesem Modell in den kommenden Jahren anschließen werden und der Waldorf-MSD sich zu einer festen Einrichtung im Münchner Raum entwickeln kann.

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schuleimwandel

 

"Und kurioserweise ist es so, dass wir durch die Art, uns zum Kind zu stellen, in uns die Liebe zum Kind entwickeln, dass wir es dahin bringen, es mit immer größerer Liebe zu erfassen. Und wir erwerben uns gerade dadurch eine mächtige Hilfskraft, das Kind liebend zu unterrichten und zu erziehen."

Rudolf Steiner

 

Waldorfschule 100 Jahre 2019